Impfstoff-Transport ohne Kühlkette
Wissenschaftler der Universität Oxford und Nova Bio-Pharma Technologies präsentierten Anfang 2010 ein neues Verfahren zur Konservierung von Impfstoffen, welches die Lagerung in tropischen Regionen bei Temperaturen bis zu 45 Grad ohne Kühlketten-Infrastruktur ermöglichen soll. Die Aufbereitung von Impfstoffen deren Lagerung ohne Kühltechnik auskommt, gilt als eines der grössten ungelösten Probleme eines globalen Gesundheitsmanagements. Das neue Verfahren weckt Hoffnungen, dass Impfstoffe in Bälde im Rucksack statt im Kühllaster transportiert werden können.
Bis heute müssen viele wichtige Impfstoffe gut gekühlt transportiert und gelagert werden. Wird die Kühlkette unterbrochen, drohen Unwirksamkeit des Medikaments und Geldverluste bei Impfkampagnen. Gerade in infrastrukturell schwachen oder von Katastrophen heimgesuchten Gebieten ist die Stromversorgung, also die Basis der Kühlkette, oft problematisch. Kühlungsunabhängige Impfstoffe würden den Wirkungsradius von Arzneien erhöhen und gleichzeitig ihre Verteilungskosten dramatisch senken.
Bei dem patentierten HydRIS Verfahren (Hypodermic Rehydration Injection System) wird der Impfstoff zusammen mit Zuckern in einem schonenden Verdunstungsprozess getrocknet. Die hierbei entstehende sirupähnliche Membran umgibt den Impfvirus und schützt ihn ohne zusätzliche Kühlung auch bei höheren Temperaturen. Die Experimente in Oxford deuten darauf hin, das mit dieser Methode haltbar gemachten virenbasierte Impfstoffe bis zu 6 Monate lang Temperaturen wie in einer Infrarotkabine (bis 45 Grad Celsius) ohne nennenswerte Zersetzungserscheinungen überstehen können. Ein mit dem HydRIS Verfahren imprägniertes Medikament könnte also selbst
Zur Endverwendung erfolgt eine Rehydration durch die einfache Zugabe von Wasser. Der imprägnierte Impstoff wird in einfachen Plastikhülsen transportierbar sein, die direkt auf die Impfnadel aufgesetzt werden können. Die Impfung kann also ohne Zeitverlust zusammen mit der Rehydration durch eine in der Nadel befindliche Lösung erfolgen.
Das Programm der Weltgesundheitsorganisation WHO strebt Schutzimpfungen von etwa 80% der Kinder dieser Welt gegen die gegenwärtig als die sechs gefährlichsten eingestuften Krankheiten an: Kinderlähmung, Diphterie, Tuberkulose, Masern, Keuchhusten und Tetanus. Die Unterhaltung einer verlässlichen Kühlkette gehörte bisher zu den grössten Kostenfaktoren bei diesem Unterfangen. Mit dem neue HydRIS Verfahren werden in Zukunft mehr Kinder geimpft werden können. Auch Malaria Impfstoffe sollem küftig mit dem Verfahren haltbar gemacht werden.
